BILANZ: Payment: Einkaufen im Land der Gewohnheitstiere 5. September 2016

In ihrer dritten Kolumne über Payment und Fintechs befasst sich Miriam Wohlfarth mit den Top 5 der beliebtesten Zahlungsarten der deutschen Onlineshopper. Dabei überrascht es nicht, dass es Apple Pay und Alipay nicht in das Ranking geschafft haben.

Nirgendwo sonst wird beim Onlineshopping so traditionell bezahlt wie in Deutschland. Die Top fünf der beliebtesten Zahlungsarten sprechen für sich.

Die Kreditkarte ist weltweit die Nummer eins im elektronischen Zahlungsverkehr. Weltweit? Nein, nicht in Deutschland, wo gerade einmal 35,7 Prozent der Bevölkerung überhaupt eine Kreditkarte besitzt.

Wir Deutschen sind Gewohnheitstiere; wir lieben Sicherheit und Tradition. Das ist auch beim Onlineshopping so, wo der Deutsche vor allem auf Bezahlmethoden setzt, die er kennt. Am liebsten würde er auch im Internet mit Bargeld bezahlen.

Aus Gewohnheitsliebe und Sorge um unsere Daten laufen wir Deutschen wichtigen digitalen Trends gerne mal hinterher. Das ist auch beim Thema Bezahlen so. Alipay? Apple Pay? Der deutsche Verbraucher assoziiert damit vor allem: nichts. Dabei handelt es sich um zwei richtig heiße Eisen auf dem internationalen Payment-Markt.

Die Wirtschaftswoche erkennt in Alipay gar einen Motor für den gesamten globalen Zahlungsmarkt. Bereits 400 Millionen Chinesen nutzen die App, die für ihre Kunden neben der reinen Zahlungsabwicklung ein ganzes Service-Ökosystem bereithält.

Neugierig geworden? In einer der folgenden Kolumnen erzähle ich Ihnen mehr zu Alipay oder Apple Pay – versprochen. Jetzt aber gehen wir erst einmal drei Schritte zurück und wenden uns den beliebtesten Bezahlarten deutscher Onlineshopper zu.

Die Top 5 Zahlungsarten im deutschen Onlinehandel

Ich erinnere mich an ein Bild aus meiner Kindheit: Oma mit dem aufgeschlagenen Versandhauskatalog auf dem Schoß, Kugelschreiber kratzt auf Bestellzettel. Es waren die deutschen Versandhändler, die den Rechnungskauf in Deutschland groß gemacht haben, und groß ist er noch heute: 29 Prozent der deutschen Onlineshopper zahlen ihre Einkäufe per Rechnung. Es ist hierzulande die beliebteste Zahlungsart: Erst die Ware, dann die Kohle!

An zweithäufigsten genutzt wird PayPal. Das US-Unternehmen hat eine unglaubliche Erfolgsgeschichte vorzuweisen. 1998 gestartet, ist es inzwischen das mit Abstand populärste E-Payment-System. Bei PayPal handelt es sich um ein sogenanntes Wallet, also eine Art elektronische Geldbörse, die vom Käufer per Überweisung, Lastschrift oder Kreditkarte befüllt wird. Mit dieser Geldbörse kann der Käufer im Shop ganz einfach durch Eingabe seiner Zugangsdaten bezahlen. Die hohe Verbreitung von PayPal ist vor allem Internetnutzern unter 40 zu verdanken, die weniger Berührungsängste mit reinen Online-Payment-Systemen haben.

Auf dem dritten Platz findet sich eine weitere deutsche Rarität: Die Lastschrift. Natürlich gibt es sie auch in anderen Ländern, Stichwort SEPA, aber nirgends ist sie im Onlinehandel auch nur annähernd so stark verbreitet wie in Deutschland. Europaweit können Internet-Shopper außer in Deutschland nur in Spanien per Lastschrift zahlen. Beim Lastschriftkauf erteilt der Käufer dem Händler die Erlaubnis, Geld von seinem Konto einzuziehen. Dazu muss der Kunde seine Kontodaten an den Händler weitergeben, der den Kaufbetrag vom Konto abbucht und dann die Ware versendet. Seit 2015 werden hierfür IBAN und BIC verwendet.

Dann, auf dem vierten Platz, steht endlich die Kreditkarte. Sie wird inzwischen weitaus häufiger genutzt als noch vor ein paar Jahren, ist aber längst nicht so stark verbreitet wie etwa in Amerika, Frankreich oder England. Die Vorgehensweise dürfte bekannt sein: Der Käufer gibt im Onlineshop Kreditkartennummer, Gültigkeitsdauer und Prüfziffer ein. Das Geld für die Bestellung wird vom Kreditkartenkonto des Kunden abgebucht und an den Händler überwiesen, der anschließend die Ware versendet.

Die Top 5 der in Deutschland beliebtesten Internet-Zahlungsmittel wird abgeschlossen von der Vorkasse. Klingt genauso verstaubt wie die Lastschrift, ist international aber deutlich verbreiteter. Das Prinzip ist einfach: Der Kunde bezahlt erst das Geld, meist per Überweisung, und erhält die Ware nach Zahlungseingang beim Händler.

2015 setzten die Deutschen rund 53 Milliarden Euro im Online- und Versandhandel um, den Großteil davon im Internet. Mit dem Wachstum des Onlinehandels gewinnt auch das Thema „Bezahlen im Internet“ stärker an Bedeutung, selbst in Deutschland. Es sind vor allem jüngere Onlineshopper, die die reinen Online-Bezahlsystem wie PayPal groß gemacht haben und an ihnen festhalten werden.

Aber auch traditionelle Zahlungsarten wie der Rechnungskauf werden in Deutschland noch lange populär sein – vor allem Frauen lieben ihn, quer durch alle Altersstufen. Die große Herausforderung für die deutsche Payment-Branche liegt derzeit eher im Bereich des mobilen und kontaktlosen Bezahlens; in der Einführung von Diensten wie Alipay oder Apple Pay. Hier werden wir noch einige Überraschungen erleben – über die ich Sie natürlich auf dem Laufenden halte!

Erschienen in: BILANZ