Internetwirtschaft: Frauen gründen anders 15. Mai 2013

Acht Gründerinnen von Internet-Startups zeichnen einheitliches Bild | Fachbuch von Springer Gabler analysiert Verhaltensweisen und Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen im Internet

Die Startup-Szene im Bereich von Internetunternehmen boomt. Auffallend: bei Finanzierungsrunden und Netzwerkveranstaltungen sind Frauen eher selten anzutreffen. Zwar nimmt die Zahl der Gründungen durch Frauen in Deutschland kontinuierlich zu, der Anteil im Bereich der High-Tech-Unternehmen aber liegt mit zehn Prozent deutlich unter dem der Männer (KfW Research, 2010). Andrea Peters, Geschäftsführerin des media.net berlinbrandenburg e.V., und Regina Haschka-Helmer, Pionierin in der europäischen Internet-Industrie und Gründerin der Seedlab GmbH, haben Ursachenforschung betrieben und acht Gründerinnen nach ihren Erfahrungen befragt. Das Ergebnis ist als Beitrag im Fachbuch „Die Frauen und das Netz“ von Springer Gabler erschienen. Am 29. Mai 2013 holt media.net die Interviewten zu einem Panel zum Beitrags-Thema „Gründen Frauen anders? – Junge Gründerinnen in der Internetwirtschaft auf dem Vormarsch“ zusammen. Die Veranstaltung findet von 19:00 – 23:00 Uhr im ePlus BASE_camp in Berlin statt.

Xing, Immobilienscout24, Zalando und questico wurden von Männern gegründet, genauso wie Google, Facebook, yahoo und ebay. Worin liegen die Gründe für den geringen Frauenanteil bei Internet-Startups? Laut der acht interviewten Unternehmerinnen würden Frauen im Internet anders gründen, weil sie sicherheitsbewusster seien und seltener eine mathematisch-technische Laufbahn einschlügen. Auf der anderen Seite aber seien Frauen in ihren Handlungen pragmatischer sowie interessen- statt imageorientiert. Der Erfolg bei der Gründung einer Internetfirma aber hänge davon ab, die richtigen Persönlichkeiten zusammen zu bringen und gemeinsam an Ideen zu arbeiten: „So können sich der weibliche Pragmatismus und die Liebe zum Produkt mit der eher wirtschaftlich ausgerichteten männlichen Vorgehensweise genauso produktiv ergänzen wie der häufig technische Hintergrund der Männer mit den organisatorischen Fähigkeiten der Frauen. Im Backend der Internetwelt sollten alle Potenziale eingebracht werden, die auf Kundenseite gefordert sind.“ Eine wichtige Voraussetzung dafür sei zudem, dass mehr Männer sich die Betreuung von Familie und Kindern mit ihren Frauen teilen.

Der Beitrag ist Teil des Fachbuchs „Die Frauen und das Netz“ der Herausgeber Birgit Kampmann, Bernhard Keller, Michael Knippelmeyer und Frank Wagner, das bei Springer Gabler in der W&V-Edition erschienen ist. Seit den Anfängen des Internets bestehen zwischen Frauen und Männern signifikante Unterschiede in Zugang und Nutzungshäufigkeit. Dieser Internet Gender Gap scheint heute bei jungen Frauen zwar weitgehend beseitigt, allerdings zeigen sich in sämtlichen Altersgruppen noch immer geschlechtsspezifische Nutzungsmuster. Das Buch gibt einen Überblick über Verhaltensweisen und Entwicklungsmöglichkeiten der verschiedenen Nutzerinnensegmente. Anhand konkreter Beispiele wird aufgezeigt, wie Frauen das Innovationspotenzial des Internets zur Gestaltung ihrer Lebens- und Arbeitsbiografie einsetzen. Birgit Kampmann, Herausgeberin und Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. in Bielefeld: „Wir wollen Handlungsempfehlungen geben, zum Austausch und zur Diskussion anregen, die Debatten versachlichen und Pauschalisierungen entgegen wirken.“

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