Der richtige Zahlartenmix: Wer hat Angst vor SCA?

Die starke Kundenauthentifizierung kommt mit Verspätung, aber spätestens ab Mitte März ist sie Pflicht. Händler drohen deswegen gerade bei Kreditkartenkäufen Ausfälle. Doch mit einem breiten Angebot an Zahlungsmöglichkeiten können sie das abfedern.

Am 21. Dezember 2020 erhielten viele deutsche Einzelhändler ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) gewährte noch einmal einen Aufschub bei der zwingenden Umsetzung der sogenannten starken Kundenauthentifizierung (SCA), die eigentlich zum Jahreswechsel anstand. Die Bafin erlaubt nun für Summen unter 250 Euro eine Ausnahme bis zum 15. Februar, für Summen unter 150 Euro gilt diese bis zum 15. März.

Für viele Händler ist die SCA ein Damoklesschwert, das seit der Verabschiedung der überarbeiteten Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) über ihren Köpfen schwebt. Die SCA erfordert nämlich, dass sich Kunden bei Transaktionen im Internet durch zwei Faktoren authentifizieren müssen. Einfach das Ablaufdatum und die Prüfnummer der Kreditkarte anzugeben, reicht in Zukunft nicht mehr. Zusätzlich müssen die Käufer dann zum Beispiel ihren Fingerabdruck abgeben oder einen per SMS erhaltenen Code eingeben.

Die Angst der Verkäufer: Dieser deutlich kompliziertere Ablauf könnte Kunden davon abhalten, online einzukaufen. Nun könnte man entgegnen, dass seit Verabschiedung der PSD2 wirklich genug Zeit war, entsprechende Systeme zu implementieren und die Kunden daran zu gewöhnen. Schließlich hat die Bafin schon mehrmals Aufschub gewährt, eigentlich greift die Richtlinie schon seit 2019.

Solche Kritik greift aber etwas zu kurz. Zum einen reden wir hier nicht von kleinen Korrekturen, sondern von einer grundsätzlichen Systemumstellung. Zum anderen sind es keinesfalls nur die Händler, die bei der Umsetzung geschlampt haben. Die Banken und Kreditkartenfirmen sind genauso in der Pflicht, die entsprechende Infrastruktur und Schnittstellen zur Verfügung zu stellen. Unter anderem der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland beklagt, dass die Systeme vieler Banken die Vorgaben noch nicht erfüllen. Außerdem bieten nicht alle Geldhäuser die gleichen Verfahren an. Einige bieten eine App-Lösung an, andere setzen auf SMS-TAN.

Ohnehin stellt sich die Frage, wie hart diese Neuerung den E-Commerce tatsächlich treffen wird. Denn zumindest die Deutschen sind im Onlinehandel keine großen Fans der Kreditkarte. Je nach Umfrage nutzen sie nur für 10,5 Prozent der Transaktionen dieses Zahlungsmittel, wie beispielsweise das Handelsforschungsinstituts EHI per Umfrage ermittelte. Stattdessen bevorzugen sie den Kauf auf Rechnung (32,8 Prozent), per Paypal (20,2 Prozent) oder per Lastschrift (18,3 Prozent). Bei Rechnung und Lastschrift greift die SCA nicht, bei Paypal nur, wenn die Kunden dafür eine Kreditkarte hinterlegt haben. Entsprechend könnten diese Zahlungsformen in den kommenden Monaten profitieren, wenn Kunden von der Zwei-Faktor-Authentifizierung bei Kreditkarten abgeschreckt werden.

 

Dafür sprechen auch Studien zur Abbruchquote beim Onlinebezahlen. Wer etwa die verbreitetsten Zahlungsverfahren plus die Vorkasse nebeneinander anbietet, kann seine Abbruchquote auf drei Prozent drücken, wie das Ibi-Research-Institut der Universität Regensburg herausfand. Händler sollten also angesichts der anstehenden Pflicht zur Zwei-Faktor-Authentifizierung nicht nur die notwendige Infrastruktur hierfür schaffen, sondern – falls noch nicht geschehen – unbedingt auch ihr Zahlungsportfolio erweitern, um sich gegen mögliche Ausfälle abzusichern.