Zwischen Schuhsucht und Identitätsbetrug

Gründerin Miriam Wohlfahrt gibt Einblicke in ihr Online-Einkaufsverhalten und spricht über die Komplexität hinter dem Schutz vor Identitätsbetrug.

Was kaufen Sie gerne online ein? In welchem Online-Shop kaufen Sie es am liebsten?
Ich muss gestehen, dass ich eine große Schwäche für Schuhe habe. Ich liebe es, Schuhe online zu kaufen, besonders, wenn ich gestresst bin. Neben der ganzen Arbeit ist es sehr wichtig, sich selbst mal etwas zu gönnen. Meine Lieblings-Online-Shops sind Mybudapester und Breuninger. Die haben alles von eleganten High Heels über sportliche Sneaker bis hin zu lässigen Slippern – ich war und bin aber immer noch ein Fan der einfachen Vans.

Was ist Ihnen wichtig, wenn es um Online-Shopping geht?
Ein sehr wichtiges Thema ist für mich die Datensicherheit, insbesondere der Schutz meiner Identität. Während meiner Zeit in der Payment-Branche bin ich mit so vielen Händlern in Kontakt gekommen, die mit Fällen von Identitätsbetrug zu kämpfen hatten, dass es für mich ein sensibles Thema wurde. Wenn ich jetzt meine Anmeldedaten für E-Mail-Konten, Adressdaten, Kreditkarten, Bankkontodaten oder mein PayPal-Konto hinterlasse, möchte ich zu 100 Prozent wissen, dass diese sicher sind.

Warum ist Datensicherheit so ein wichtiges Thema? Was sind die Risiken?
Identitätsbetrug liegt vor, wenn persönliche Daten wie Name, Geburtsdatum, Adresse und andere Details gestohlen werden. Das Risiko bei Identitätsbetrug ist, dass er schneller passiert, als man denkt und enorme Konsequenzen haben kann. Sobald ein Betrüger Ihre Daten hat, kann er in Ihrem Namen Waren im Internet bestellen oder Verträge abschließen. Es gibt verschiedene Arten von Betrug: Betrug im Bekanntenkreis, hier missbraucht jemand die Identität von Bekannten, Freunden und Familie. Betrug durch Kleinkriminelle, bei dem ein Einzeltäter eine fremde Identität benutzt. Und die organisierte Kriminalität, bei der Banden in großem Stil fremde Identitäten veruntreuen. Jedes Jahr gibt es etwa zwölf Millionen Fälle, wodurch ein finanzieller Schaden in Milliardenhöhe entsteht. Nur ein kleiner Teil der Fälle wird bei der Polizei angezeigt.

Identitätsbetrug stellt ein großes Risiko für Kunden dar. Was sind die Konsequenzen für Händler?
So ärgerlich es für uns auch ist, wenn wir Opfer von Identitätsbetrügern werden, der finanzielle Schaden liegt in der Regel bei den Händlern. Neben dem finanziellen Missbrauch verliert der Kunde des Händlers im Falle eines Identitätsbetrugs das Vertrauen in den Online-Shop, was den Ruf schädigen und zu Umsatzeinbußen führen kann. In den allermeisten Fällen erhalten die Betroffenen eine Rückerstattung, wenn etwas schiefgelaufen ist. Deshalb sollten Händler alles tun, um Betrüger so früh wie möglich aufzuspüren.

Woran erkennen Online-Händler, dass ein Betrüger am Werk ist?
Verschiedene Anzeichen können helfen, Identitätsbetrug festzustellen. Große Händler, aber auch Zahlungsdienstleister wie wir, die Online-Händler vor Zahlungsausfällen schützen, prüfen in Echtzeit, ob eine Bestellung einem Betrug zum Opfer fallen könnte. Mustererkennung und Plausibilitätsprüfungen spielen dabei eine große Rolle.

Indizien können sein:

  • Abweichung von Kundendaten bei unterschiedlichen Bestellungen
  • Mehrere Kunden mit den gleichen Daten
  • Bewusstes Umgehung der Warenkorbgrenze
  • Eine ungewöhnliche Lieferadresse oder ein verdächtiger Bestellzeitpunkt

Darüber hinaus sind der Inhalt und der Bestellwert eines Warenkorbs oft aufschlussreich. Betrüger kaufen in großem Stil bestimmte Produkttypen wie Handys, Spielekonsolen, Kleidung und Turnschuhe, manchmal auch Socken einer bestimmten Marke – also Waren, die sich schnell wiederverkaufen lassen und wenig Lagerkosten verursachen. Eine Schrankwand ist eher sperrig. Wobei wir auch einen Betrugsfall mit einem Whirlpool hatten.

Was sind Ihre Tipps an Händler zum Thema Datenschutz?
Einen hundertprozentigen Schutz vor Identitätsbetrug gibt es leider nicht. Die einfachste Maßnahme gegen Betrugsversuche ­– bestimmte Zahlungsmethoden nicht anzubieten – das ist für die meisten Händler keine Option, weil sie ihre Kunden zufrieden stellen wollen. Indem man keine Kreditkartenzahlung oder Zahlung auf Rechnung anbietet, werden zwar Zahlungsausfälle minimiert, aber gleichzeitig viele Kunden abgeschreckt. Unzählige Studien haben gezeigt, dass es zu einer hohen Anzahl von Kaufabbrüchen kommt, wenn dem Kunden die gewünschte Zahlungsart nicht angeboten wird.

Kleine und mittelständische Unternehmen haben oft nicht die Ressourcen, die notwendigen Prüfungen selbst durchzuführen. Das Beste, was Sie als Händler tun können, um Ihre Kunden zu schützen und ihr Vertrauen zu gewinnen, ist die Einbindung eines externen Zahlungsanbieters mit großer Expertise in Echtzeit-Risikoprüfungen, der die neuesten Technologien wie KI und ML nutzt. (Lacht) Vielleicht kennen wir jemanden, der Ihnen hier helfen kann.