B2B-Rechnungskauf: der neue Trend im E-Commerce

Wie „Buy now, pay later“ den Geschäftskundenmarkt erobert

„Buy now, pay later“ (BNPL) hat sich im globalen E-Commerce als eine der wichtigsten Zahlungsarten etabliert. In vielen europäischen Ländern, darunter Deutschland, ist es vor allem die BNPL-Zahlungsart Rechnungskauf, die beim Online-Shopping enorm beliebt ist. Das zeigte zuletzt auch der E-Commerce Report 2022 der Nexi Group.

In unserem Artikel „Buy now, pay later in Deutschland: Warum die Deutschen ihren Rechnungskauf so lieben“ berichteten wir bereits: Bis 2028 wird allein in Deutschland eine Wachstumsrate von 23,8 Prozent für den BNPL-Bruttowarenwert erwartet. Das bedeutet eine Steigerung von 12 Milliarden US-Dollar (im Jahr 2020) auf 83 Milliarden US-Dollar im Jahr 2028.

Noch beeindruckender sieht es auf globaler Ebene aus: Im Payment Methods Report 2023 von The Paypers wird das weltweite Gesamtzahlungsvolumen (TPV) von BNPL auf 309,2 Mrd. US-Dollar geschätzt. Weiterhin wird das Gesamtvolumen der Branche im Jahr 2030 voraussichtlich 3,7 Billionen US-Dollar erreichen.

Das sind beeindruckende Rekordwerte, die belegen, dass BNPL ein voller Erfolg im E-Commerce ist. Die Pointe dabei: Diese Werte beziehen sich nur auf BNPL-Lösungen für den Endkundenbereich (B2C).

BNPL-Lösungen für Geschäftskunden (B2B) dagegen fristeten in der Vergangenheit ein ziemliches Schattendasein. Genau diese Marktlücke entdecken zwischenzeitlich immer mehr Zahlungsanbieter und stellen neue BNPL-Zahlungslösungen zur Verfügung, in erster Linie den B2B-Rechnungskauf für Online-Einkäufe.

Der B2B-Rechnungskauf ist für viele Geschäftskund:innen eine perfekte Alternative zu herkömmlichen Handelskrediten, der bislang üblichen Form kurzfristiger Finanzierungen für Waren und Dienstleistungen, die Unternehmen für ihren Betrieb benötigen. Anders als diese Handelskredite ist der B2B-Rechnungskauf mit seinen hohen Einkaufslimits und gleichzeitig langen Zahlungszielen für viele gewerbliche Einkäufer:innen eine deutlich bequemere und leichter zugängliche Finanzierungslösung.

Wie diese neue Marktlücke aussieht und welches Potenzial sie hat, lesen Sie in diesem Journal-Artikel.

B2B-Kund:innen und der Rechnungskauf im E-Commerce

1. Emotionalität vs. Rationalität

B2C-Kund:innen kaufen sowohl rational als auch emotional gesteuert ein. Mag die Anschaffung einer neuen Waschmaschine oder eines Geschirrspülers für viele Endkund:innen vor allem von rationalen Interessen geleitet sein, so ist der Kauf von neuer Kleidung oder eines Smartphones schon deutlich von emotionalen Impulsen gesteuert. Ausschließlich emotional gesteuert ist dagegen wohl der Einkauf von Life-Style-Produkten oder Schmuck.

Das Einkaufsverhalten von B2B-Kund:innen dagegen ist fast ausschließlich rational gesteuert. Hier ist der Bedarf an bestimmten Produkten oder Services meist vorhersehbar und planbar. Sei es die Anschaffung eines Dienstwagens, der Kauf neuer Werkzeuge oder die Pflege und Wartung von Betriebsmitteln. Immer werden diese Beschaffungen von rationalen Entscheidungsfaktoren begleitet. B2B-Kund:innen versuchen, möglichst wirtschaftliche Kaufentscheidungen im Interesse von Unternehmenszielen zu treffen. Deshalb recherchieren B2B-Kund:innen im Bedarfsfall viel und wägen viele Vor- und Nachteile in längerfristigen internen Prozessen ab. Und das tun sie oft nicht alleine …

2. Mehrere Stakeholder

Im Gegensatz zu Endkund:innen treffen B2B-Kund:innen ihre Kaufentscheidung oft nicht alleine. Meist sind die betreffenden Ansprechpartner:innen in komplexe Einkaufsprozesse eingebunden, an denen auch unterschiedliche Fachverantwortliche beteiligt sind, wie zum Beispiel die Einkaufsabteilung, die Budgetverantwortlichen, die künftigen Nutzer:innen des neuen Produkts oder sonstige Stakeholder.

3. Eine lange Customer Lifetime Value

B2C-Käufer:innen haben nicht zwingend einen hohen CLTV (Customer Lifetime Value). D.h. sie gehen neben langfristigen Bindungen immer auch kurzlebige Beziehungen zu Online-Händler:innen ein. B2B-Kund:innen dagegen sind meist an langfristigen Beziehungen oder gar Partnerschaften interessiert. Gerade diese Bindungen, in denen sich Unternehmen zu so genannten Haus- und Hoflieferanten ihrer Kund:innen etablieren, sind der Kern eines erfolgreichen B2B-Handels.

4. Flexible Preisgestaltung

Endkund:innen bestellen im Internet normalerweise Produkte und Services zu den offiziellen, festgelegten Preisen. B2B-Kund:innen dagegen können und wollen nicht mit einer universellen Preisgestaltung über einen Kamm geschert werden. Je nach Unternehmen, Standort, Abnahmemenge oder bestehenden Rahmenverträgen erwarten B2B-Kund:innen meist kundenspezifische Preisgestaltungen.

5. Termintreue Lieferungen

Während für B2C-Kund:innen meist einfach nur eine schnelle Lieferung der bestellten Ware attraktiv ist, erwarten B2B-Kund:innen eine zu ihren geschäftlichen Prozessen passende und termintreue Lieferung. In der Automotive-Branche zum Beispiel, in der sich das logistische Just-in-time-Verfahren durchgesetzt hat, sind termintreue Lieferungen essentiell, damit weder die Produktion im Falle von Materialmangel zurückgefahren werden muss, noch Betriebsgelände für die Lagerung von überschüssigem, weil zu früh geliefertem, Material blockiert werden muss.

6. Lange Zahlungsziele

Während im B2C-Bereich Zahlungsziele von zwei bis vier Wochen ausreichend sind, gelten im B2B-Bereich völlig andere Zahlungsfristen: Sie müssen deutlich länger sein.

So können zum Beispiel in der Baubranche aufgrund langer Produktionszyklen erst vergleichsweise spät erste Rückzahlungen getätigt werden. Die Automobilbranche wiederum muss jederzeit aufgrund von unvorhersehbaren Nachfragen und Bestellungen mit spontanen Cashflow-Belastungen rechnen. In der Landwirtschaft wiederum schwanken die Einnahmen saisonal stark – und können daher nicht zwingend mit den Zeitpunkten verbunden werden, zu denen Investitionen in neue Ausrüstung nötig sind.

Kurz: Eine Zahlung nach Lieferung der Ware ist im Geschäftskundenumfeld ohnehin normal. Allerdings sprechen wir von Zahlungszielen von bis zu 120 Tagen.

7. Hohe und schwankende Warenkorbwerte

Während sich Bestellungen deutscher Online-Shopper:innen aktuell auf durchschnittlich unter 100 Euro belaufen, gibt der europaweit führende Versandsoftware-Hersteller sendcloud zum Beispiel an, dass der durchschnittliche Bestellwert (AOV) einer B2B-Bestellung siebenmal mal höher als der einer B2C-Bestellung sei.

Andere Quellen nennen Warenkorbwerte von 1.900 Euro pro Bestellung oder beziffern die Höhe von B2B-Bestellwerten auf das 20- bis 30-fache im Vergleich zu B2C.

Entsprechend bieten B2B-BNPL-Zahlungsanbieter Warenkorblimits von bis zu 30.000 Euro oder sogar bis zu 100.000 Euro an.

Doch nicht nur die Höhe der Bestellwerte selbst übertrifft den B2C-Konsum bei Weitem. Je nach Branche schwanken sogar die Warenkorbwerte bei verschiedenen Bestellungen, die durch ein und dasselbe Unternehmen getätigt werden.

8. Zusammenfassung

Der gesamte Kontext von B2B-Käufer:innen unterscheidet sich fundamental vom B2C-Sektor. Hier nochmal die Unterschiede im Überblick:

ParameterB2C-Käufer:innenB2B-Käufer:innen
Emotionalität / Rationalität• Rationale Kaufentscheidungen
• Emotionale Kaufentscheidungen
• Impulskäufe
• Nur rationale Kaufentscheidungen
Entscheider:in• Meist nur eine Privatperson• Mehrere Stakeholder innerhalb eines komplexen Beschaffungsprozesses
Customer Lifetime Value• Kurz-, mittel- oder langfristig• Langfristig
Preisgestaltung• Einheitlich• Hochgradig individuell
Lieferzeiten• Schnellstmöglich• Termintreu (nicht zu früh, nicht zu spät)
Zahlungsziele• 14-30 Tage nach Erhalt der Ware• Bis zu 120 Tage nach Erhalt der Ware
Warenkorbwerte• Unter 100 Euro• Bis zu 100.000 Euro und darüber hinaus

Aus diesen Gründen möchten gewerbliche Kund:innen auch nicht wie Privatkund:innen behandelt. Allerdings möchten sie zwischenzeitlich genauso einfach und bequem online einkaufen wie Privatkund:innen. Und das natürlich auch für einen der wichtigsten Schritte: beim Bezahlen.

Für die Kaufabwicklung waren bei Geschäftskund:innen bislang vor allem Handelskredite in verschiedenen Formen das Mittel der Wahl. Diese schneiden aber im Vergleich zu BNPL-Zahlungslösungen deutlich schlechter ab. Genau an dieser Stelle sehen immer mehr FinTechs eine große Chance.

Der B2B-Rechnungskauf: die perfekte Alternative im E-Commerce

1. Das Marktpotenzial für den Kauf auf Rechnung im B2B-Sektor

Während der Markt für B2C-BNPL-Lösungen zwischenzeitlich wohl als gesättigt betrachtet werden kann, ist B2B-BNPL gerade erst im Kommen: „Wo sich im B2C-BNPL ca. 170 Player in Europa um den Markt streiten, sind es im B2B momentan nur eine Handvoll. Gleichzeitig ist das Marktpotenzial besonders aufgrund des Umfangs des B2B-E-Commerce noch größer als im B2C.“

Wie eindrucksvoll dieses Marktpotenzial ist, belegt eine Studie von Juniper Research. Das Marktforschungsunternehmen prognostiziert für den Zeitraum 2022-2027, dass das Volumen des B2B-Transaktionsmarktes von 88 Billionen auf 111 Billionen Dollar wachsen wird – also um ganze 26 %. Diese Prognose gilt zusammengefasst für 60 Länder weltweit.

Gleichzeitig ist laut Welthandelsorganisation etwa 80 bis 90 Prozent des Welthandels auf Handelsfinanzierungen (also Handelskredite, Versicherungen und Garantien) angewiesen, die meist kurzfristiger Natur sind.

Zusammengefasst bedeutet das: Bis ins Jahr 2027 müssten Unternehmen in 60 Ländern der Welt Verbindlichkeiten in Höhe von 88,8 bis 99,9 Billionen Dollar über Handelskredite begleichen. Und hier kommt der B2B-Rechnungskauf ins Spiel.

2. Handelskredite und B2B-Rechnungskauf im Vergleich

Handelskredite sind kostenlose kurzfristige Kreditlösungen, hinter denen die Geschäftsvereinbarung eines vorübergehenden Zahlungsaufschubs für erworbene Waren oder Dienstleistungen steht. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Zahlungskarten, Kreditlinien, Geschäftskredite oder besicherte Darlehen. Damit können Unternehmen größere Einkäufe tätigen und ihre Lieferanten bezahlen, während sie ihre bestehenden Liquiditätsreserven behalten und für die Bezahlung anderer Verbindlichkeiten nutzen können.

Meist sind diese herkömmlichen Finanzierungslösungen mit umständlichen Beantragungsprozessen und umfassenden Bonitätsprüfungen verbunden. Erschwerend kommt hinzu, dass die üblicherweise gesetzten Fristen vielen Unternehmen nicht ausreichen. Kurz: Handelskredite sind für den Online-Einkauf eigentlich denkbar ungeeignet.

Dabei ist es vor allem für KMU-Betriebe immer wieder schwierig, Finanzierungen bspw. von ihren Hausbanken zu erhalten. So bezifferte eine europäische Studie die Finanzierungslücke für KMU in der Eurozone im Jahr 2019 auf 400 Mrd. Euro.

BNPL-Lösungen wie der B2B-Rechnungskauf dagegen haben ein Finanzierungsprofil, dass genau solche Finanzierungslücken reduzieren kann. Denn der B2B-Rechnungskauf ist gerade beim Online-Einkauf deutlich flexibler, bequemer und einfacher. Er gibt Unternehmen unmittelbar (also zum Zeitpunkt der Online-Transaktion) einen sofortigen Zugang zum benötigten „Kredit“ – nach Erhalt der Bestellung kann die Ware dann ohne zusätzliche Kosten flexibel innerhalb eines langen Zahlungsziels von bis zu 120 Tagen bezahlt werden.

3. Fazit: Der B2B-Rechnungskauf als Bestandteil eines Digital Self Service

Der B2B-Rechnungskauf passt also perfekt zu den Anforderungen, die Geschäftskund:innen an das Bezahlen im E-Commerce haben.

Aber noch etwas ist wichtig: Viele europäische B2B-Einkäufer:innen sprechen sich schon seit ein paar Jahren für einen „Digital Self Service“ aus. Im Jahr 2020 fand das Marktforschungsinstitut McKinsey in einer Studie heraus:

  • „Nur noch 20-30 % der B2B-Einkäufer:innen wollen beim Online-Einkauf überhaupt noch persönlich mit dem Vertriebsmitarbeiter eines Online-Shops zu tun haben.“
  • „Rund 90 % der B2B-Entscheidungsträger:innen erwarten, dass digitales Einkaufen langfristig Bestand haben wird.“
  • „96 % der B2B-Einkäufer:innen würden einen Kauf in einem vollständig durchgängigen Digital-Self-Service-Modell tätigen, wobei eine knappe Mehrheit kein Problem damit hätte, 50.000 Dollar oder mehr online auszugeben.“

(Quelle: McKinsey – Survey: European B2B decision maker response to COVID-19 crisis)

All das deutet auf eine grundsätzliche Zeitenwende im B2B-E-Commerce hin: Denn dieser „Digital Self Service“, also die komplette digitale Abwicklung von Einkäufen im Internet, vom Befüllen des Warenkorbs bis hin zum Bezahlen (ohne persönlichen Kontakt zu Verkäufer:innen) wird vor allem von Millenials gefordert, die in der McKinsey-Studie 73 % aller Befragten ausmachten.

Und was würde besser in eine solche Welt des „Digital Self Service“ passen als eine schnelle, komfortable, unkomplizierte und automatisierte „Buy now, pay later“-Lösung wie der B2B-Rechnungskauf – ganz ohne Termine und persönliche Gespräche mit den freundlichen Berater:innen der Hausbank?

So muss der B2B-Rechnungskauf für Geschäftskund:innen aussehen

1. Zahlungsoptionen

Für manche Geschäftskund:innen genügt es nicht, im Internet einfach nur auf Rechnung zu kaufen. Denn manche tätigen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, zum Beispiel eines Monats, mehrere aufeinanderfolgende Bestellungen. Anstatt nun für jede Einzelbestellung eine gesonderte Rechnung mit jeweils einem anderen Zahlungsziel zu begleichen, sollten diese Kund:innen am Ende eines definierten Zeitraums eine konsolidierte Aufstellung aller Bestellungen erhalten, um in einer einmaligen Transaktion den gesamten Betrag begleichen zu können.

Solche und weiter Zahlungsoptionen können für den individuellen Kontext von Geschäftskund:innen essentiell sein. Gute Anbieter von B2B-BNPL sollten entsprechende Lösungen bereithalten.

2. Einkaufslimits von Rechnungskäufen im B2B-Sektor

Wie wir für den deutschen Markt gesehen haben, liegen die Einkaufslimits aktueller B2B-Rechnungskäufe bei bis zu 100.000 Euro. Natürlich sind je nach Branche noch höhere Kaufbeträge möglich. Dennoch eröffnen diese Einkaufslimits gerade im KMU-Bereich große finanzielle Spielräume, die es im B2B-Sektor bei der Zahlungsoption Rechnung so noch nicht gegeben hat.

Von solche Einkaufslimits profitiert zum Beispiel die Handwerksbranche, die Agrar- und Landwirtschaft, die Gastronomie, gewisse Teile der Kfz-Branche oder auch Büromöbelanbieter.

3. Zahlungsziele von B2B-Rechnungskäufen

Mit einer Staffelung von Zahlungsziele in 30, 60, 90 oder sogar 120 Tage treffen die aktuell auf dem Markt befindlichen BNPL-Anbieter von B2B-Rechnungskäufen eigentlich schon gut den Nerv der Zeit.

Dennoch gibt es einen wichtigen Punkt zu beachten: Am 16. Februar 2011 ist die so genannte „EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr“ erlassen worden, die im Jahr 2014 auch in Deutschland in Kraft getreten ist.

Diese Richtlinie möchte über den Weg strengerer Verzugsregeln die Zahlungsziele im Geschäftsverkehr des europäischen Wirtschaftsraums auf 30 Tage, in Ausnahmefällen auf 60 Tage, reduzieren. Das Ziel: Vor allem KMU-Betriebe, die anders als Konzerne deutlich stärker von regelmäßigen Barströmen abhängig sind, vor zu langen Zahlungszielen und damit existenzbedrohenden Liquiditätsengpässen schützen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatte seinerzeit bereits Zweifel am Erfolg dieser Richtlinie angemeldet, weil sich viele Unternehmen aus Sorge um Auftragsverluste wahrscheinlich nicht darauf berufen würden – dennoch bleibt sie geltendes Recht.

Solange aber in der Praxis weiterhin Zahlungsziele von bis zu 120 Tagen üblich sind, profitieren gerade KMU-Betriebe davon, wenn sie künftig den B2B-Rechnungskauf eines BNPL-Anbieters in den Checkout ihres Online-Shops integrieren. So bleiben sie auch bei ihren Zahlungszielen stark wettbewerbsfähig.

4. Risikoanalyse bei Rechnungszahlung im B2B-Bereich

Risikoanalysen und Bonitätsprüfungen sind im B2B-Bereich aufwändiger. Da es um hohe Warenkorbwerte und lange Zahlungsziele geht, sind die Anforderungen an den Einsatz bewährter Technologien deutlich höher.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Einkäufer:innen auch eindeutig als von ihrem Unternehmen autorisierte Einkäufer:innen identifiziert werden müssen. Gleichzeitig aber müssen solche Identitätsprüfung einfach und schlank gehalten werden – damit es im Checkout zu keinem Kaufabbruch kommt. Denn auch B2B-Käufer:innen erwarten ein komfortables Einkaufs- und Bezahlerlebnis erwarten.

Nicht wenige Anbieter von B2B-Rechnungskäufen stellen daher sogenannte Käuferportale zur Verfügung. Auf diesen Portalen können sich B2B-Shopper:innen einmalig registrieren. Anschließend können sie in jedem Online-Shop auf Rechnung bestellen und bezahlen, in dessen Checkout die BNPL-Lösung des betreffenden Anbieters verfügbar ist.

So hat der BNPL-Anbieter mehr Sicherheit bezüglich der Identität der Shopper:innen und kann höhere Annahmequoten und Transaktionslimits gewährleisten. Aber auch der gesamte Beschaffungsprozess von der Bestellung bis hin zur Rechnungsabwicklung kann mit solchen Portalen sehr schlank gehalten werden.

5. Auszahlungsgarantie beim B2B Kauf auf Rechnung

Wie auch im B2C-BNPL sollte ein Anbieter des B2B-Rechnungskaufs seinen Kund:innen immer eine 100-prozentige Auszahlungsgarantie geben. Auch im Fall von Online-Betrug muss diese Garantie gelten, so dass der Online-Shop immer den vollen Kaufbetrag zum vereinbarten Zeitpunkt ausgezahlt bekommt.

6. Das Mahnwesen bei B2B-Rechnungskäufen

Auch das Mahnwesen sollte bei B2B-Rechnungskäufen komplett abgedeckt werden. Dazu gehört zum Beispiel der kaufmännische Mahnlauf, die gesetzlich korrekte Erhebung von Mahngebühren, die korrekte Erhebung von Verzugszinsen, das Inkasso-Verfahren usw.

Dabei ist es sehr wichtig, dass der BNPL-Anbieter im Falle von Zahlungsverzügen eine freundliche und persönliche Kommunikation sowie eine konstruktive und flexible Kompromissbereitschaft auf Augenhöhe gegenüber seinen Schuldiger:innen an den Tag legt. Schließlich handelt es sich bei den Säumigen trotz aller Versäumnisse um Kund:innen seiner Kund:innen. Dies gilt umso mehr, als dass im Geschäftskundenumfeld langfristige partnerschaftliche Beziehungen zwischen Kund:innen und Lieferant:innen im Mittelpunkt stehen.

7. Die Integration der Zahlungsoption Rechnung im B2B

Auch BNPL-Lösungen wie der B2B-Rechnungskauf sollten sich heutzutage nicht aufwändiger in den Checkout von Online-Shops integrieren lassen als der B2C-Rechnungskauf. Egal, ob es sich um eine direkte Integration via API, eine indirekte Integration über einen Payment Service Provider (PSP) oder um ein Plugin für standardisierte Shopsysteme handelt. Ein guter B2B-BNPL-Anbieter sollte hier die gleiche Bandbreite an Möglichkeiten wie im B2C-Sektor anbieten.

8. Der B2B-Rechnungskauf im Omni-Channel-Kontext

Gegebenenfalls sollte der B2B-Rechnungskauf auch technisch mit Omni-Channel-Strategien kompatibel sein. Denn im B2B-Sektor sind Verkaufsaktivitäten nicht nur online und am Point of Sale wichtig, sondern zum Beispiel auch auf Messen. Für wen solche Veranstaltungen eine wichtige Schnittstelle zu Neu- oder Bestandskund:innen darstellen, kann von vereinzelten Anbietern auch schon einen B2B-Rechnungskauf erwarten, der sich nahtlos in sein bestehendes Omni-Channel-Ökosystem integriert.

9. Regulierung von B2B-Rechnungskäufen

Obwohl der durchschnittliche Warenkorbwert im B2B deutlich höher als im B2C ist, wird der Regulierungsbedarf von B2B-Rechnungskäufen aktuell niedrig eingeschätzt. Einfach, weil Unternehmen – anders als Verbraucher:innen – in der Regel nicht zu überhöhten Ausgaben für Impulskäufe neigen.

Man kann stark davon ausgehen, dass der gesamte Beschaffungsprozess von wirtschaftlichen Faktoren und mehreren Stakeholdern gesteuert wird, Ausschreibungen gemacht und Angebote verglichen werden. Es leuchtet also unmittelbar ein, dass strengere Regulierungen wie die erst kürzlich überarbeitete EU-Verbraucherschutzrichtlinie für B2C-BNPL nicht unbedingt notwendig sein werden.

Bislang hat die Europäische Kommission nach aktuellem Kenntnisstand unserer Redaktion auch keine entsprechenden Regulierungen verabschiedet. Das mag aber auch daran liegen, dass der B2B-Rechnungskauf noch ein vergleichsweise junges Thema ist.

Je erfolgreicher sich B2B-BNPL-Lösungen allerdings auf dem Markt ausbreiten werden, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Europäische Kommission irgendwann einmal Handlungsbedarf sieht. Und auch die Rollen der traditionellen Kreditinstitute und Banken sollte man hier berücksichtigen.

Schauen wir zurück: Wie haben sich viele traditionelle Kreditinstitute während des B2C-BNPL-Trends verhalten? Zunächst haben sie den Trend verschlafen. Erst seit ca. 2 Jahren möchten sie sich doch noch Anteile an diesem Markt sichern – und inszenieren sich gegenüber anderen FinTechs als die verantwortungsvolleren Anbieter ab, da sie stets alle Regulierungen erfüllen müssen.

Wie also werden sich die Banken diesmal verhalten, wenn es einmal mehr die innovativen FinTechs sind, die mit dem B2B-Rechnungskauf eine weitere Marktlücke erobern?

Fazit

Obwohl es sich beim B2C- wie auch beim B2B-Rechnungskauf im Wesentlichen um das gleiche Finanzierungsmodell handelt, gibt es doch deutliche Unterschiede in der Ausprägung und Gewichtung der einzelnen Features beider Zahlungsarten.

Dabei ist das Marktpotenzial für den B2B-Rechnungskauf, wie wir gesehen haben, enorm. In diesem Zusammenhang verwundert es fast ein bisschen, dass die B2B-BNPL-Zahlungsarten mit ihrem Markteintritt dem B2C-Trend zeitlich so stark hinterherhinken.

Mit Sicherheit aber lässt sich sagen, dass sich BNPL-Zahlungsarten wie der B2B-Rechnungskauf als äußerst attraktive Alternativen zu den traditionellen Finanzierungsmodellen im Geschäftskundenbereich etablieren werden und auch hier erstmal den traditionellen Banken den Rang streitig machen werden.

Inwieweit aber wird der B2B-Rechnungskauf tatsächlich im Wettbewerb zu klassischen Handelskrediten stehen? Konkret: Unter welchen Bedingungen wird er klassische Finanzierungen tatsächlich verdrängen und wo wird er sich eher als sinnvolle Ergänzung zu klassischen Handelskrediten etablieren?

Wir haben gesehen, dass Millenials eine starke Tendenz zum B2B-Online-Shopping haben und mit Einkaufslimits von bis zu 50.000 Dollar keinerlei Bedenken tragen. Allein diese Tatsache belegt das große Marktpotenzial des B2B-Rechnungskaufs. Doch wie sieht es mit Kaufbeträgen aus, die weit darüber hinaus gehen? Zum Beispiel beim Online-Einkauf von Büromöbeln für 500.000 Euro? Oder bei der Beschaffung neuer IT-Hardware für 1.000 Mitarbeiter:innen?

Aktuell sieht es so aus, als würde der B2B-Rechnungskauf vor allem im KMU-Bereich auf Seiten der Käufer:innen viele Beschaffungsmaßnahmen einfacher machen und auf Seiten der Lieferant:innen für mehr Wettbewerbsfähigkeit sorgen. Und das ist doch schonmal ein guter Start.

Nutzen Sie Ratepay’s KI für Ihr Unternehmen

Jetzt kostenfreie Beratung anfragen